Freitag, Mai 18, 2012
   
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Demo am Mo/07.02. gegen erneute Familientrennung durch Abschiebung

 

Überfall im Morgengrauen:
Landkreis Hildesheim schiebt kurdische Yeziden nach Syrien ab
Demonstration am 07. Februar 2011 ab Bahnhofsvorplatz Hildesheim zum 
Kreishaus

Wieder einmal hat der Landkreis Hildesheim eine Abschiebung unter 
Inkaufnahme einer Familientrennung ohne vorherige Ankündigung 
überfallartig durchgeführt:

 

Am Morgen des 1. Februar rückte eine 
Polizeistaffel mit Hunden an, umstellte das Haus der seit mehr als 10 
Jahren in Deutschland lebenden, kurdisch-yezidischen Flüchtlingsfamilie 
Naso aus Giesen und nahm den 62-jährigen Vater Badir Naso, seine Ehefrau 
Bashe Hasso sowie den 15-jährigen Sohn Anuar fest. Zurück blieb die die 
18-jährige Tochter Schanas, die mit ihren Eltern und ihrem Bruder die 
Wohnung teilte. Weitere sieben erwachsene Geschwister leben mit ihren 
Familien in Deutschland.
Auch nachdem die Ehefrau einen Schwächeanfall erlitt und ins Krankenhaus 
eingeliefert werden musste, brach der Landkreis Hildesheim die 
Abschiebung nicht ab. Vater und Sohn wurden gegen 16 Uhr nach Syrien 
abgeschoben und befinden sich nach Aussagen der Familie dort in Haft.

Das Vorgehen des Landkreises Hildesheim, dessen Landrat nach der 
Abschiebung von Gazale Salame öffentlich versprochen hatte, keine 
Abschiebungen mehr unter Inkaufnahme von Familientrennungen 
durchzuführen, ist in jeder Hinsicht empörend:

1. Was veranlasste den Landkreis, die Abschiebung hinter dem Rücken der 
Familie ohne jede Ankündigung des Termins durchzuführen? Es ist 
unmenschlich, Menschen auf diese Weise abzuschieben, ohne ihnen die 
Gelegenheit zu geben, sich darauf vorzubereiten und sich von Freunden 
und Verwandten zu verabschieden, ggfs. auch eine Klage dagegen einzulegen.
2. Warum brach der Landkreis die Abschiebung nicht ab, nachdem die 
Ehefrau zusammenbrach und absehbar war, dass sie nicht abgeschoben 
werden konnte? Was ist das Versprechen des Landrats wert, keine 
Abschiebungen unter Inkaufnahme von Familientrennungen mehr durchzuführen?
3. Warum hat der Landkreis den Betroffenen keine Gelegenheit gegeben, 
zur Frage der Integrationsperspektiven des 15-jährigen Sohns selbst 
Stellung zu beziehen? Es ist per-fide und bösartig, sich telefonisch von 
der Schule Einschätzungen über Kopfnoten („faul“, „wenig 
Arbeitseinsatz“, „andere Interessen“) einzuholen und damit mangelnde 
Integrationsperspektiven zu begründen, obwohl Anuar bislang problemlos 
in der Hauptschule mitkommt und seine Versetzung nicht gefährdet war. 
Der vom Land verhängte Abschiebungsstopp für Jugendliche zwischen 15 und 
20 Jahren hätte zur Aussetzung der Abschiebung der gesamten Familie 
führen müssen (siehe 
http://www.nds-fluerat.org/5392/aktuelles/bleiberechtserlass-veroeffentlicht/ 
sowie 
http://www.nds-fluerat.org/5490/aktuelles/bleiberecht-fuer-junge-gut-integrierte-fluechtlinge/).

Syrien ist ein Folterstaat, der berüchtigt ist für seine willkürliche 
und unberechenbare Machtausübung. Mehrere Flüchtlinge wurden nach ihrer 
Abschiebung in Syrien verfolgt und inhaftiert (siehe 
http://www.nds-fluerat.org/wp-content/uploads/2010/10/KA-17_2869_Syrien1.pdf). 
Es ist zu befürchten, dass auch Herr Naso und sein Sohn, die noch immer 
nicht freigelassen wurden, vom syrischen Geheimdienst verhört und 
misshandelt werden.

Wir fordern den Landrat auf, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um 
eine Freilassung und Rückkehr von Badir Naso und seinem Sohn Anuar nach 
Giesen zu ermöglichen. Für diese Forderung werden wir am kommenden 
Montag, 11 Uhr auf die Straße gehen. Demonstrationsbeginn ist 11 Uhr vom 
Bahnhofsvorplatz in Hildesheim

gez. Kai Weber

-- 
Flüchtlingsrat Niedersachsen
Langer Garten 23 B
D - 31137 Hildesheim
Tel. 05121 - 15605
Fax 05121 - 31609
www.nds-fluerat.org

Cathleen Tischoff

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